Eine Permakultur in Herisau – 2016

In geschlossenen Kreisläufen denken und wirtschaften, das lässt sich auch im privaten Garten und Haushalt verwirklichen. Im Spätsommer lud der Naturschutzverein Kirchberg zu einem Informationsanlass über Permakultur im Garten von Kurt Forster.

Sein Haus versteckt sich hinter einigem Grün, sodass es die Exkursionsgruppe im Herisauer Einfamilienhausquartier Saum zunächst kaum sieht. Doch Kurt Forster erscheint bald selber am Tor und hält Ausschau nach den Gästen, die er durch seinen Permakulturgarten führen wird. Vorbei an der Efeufront, am kleinen Marronibaum und am üppigen Waldrandgarten geleitet er die zwölf Teilnehmenden zum Sitzplatz, der ebenfalls von verschiedenen Pflanzen umrahmt ist. Dort möchte Forster, der von Beruf Sekundarlehrer war, aus seinen Erfahrungen mit der Permakultur erzählen.

Das Privatgrundstück der Forsters mit Einfamilienhaus befindet sich auf einer früheren Kuhweide, auf rund 800 Metern über Meer, wo kaum mehr Obstbäume oder Feldfrüchte angebaut werden. «Zuerst hatten wir einen ganz konventionellen Garten mit Rasen und Zierpflanzen», erklärt der Hobbygärtner, der jedoch als Kind während des zweiten Weltkriegs die Not und die Abhängigkeit von der Selbstversorgung miterlebt hatte. So lag ihm der Gedanke nahe, auf seinem für die Landwirtschaft verlorenen Land sogar noch mehr Nahrung zu produzieren, als dies auf einer Kuhweide möglich wäre.

«Alles beruht auf dem Kreislaufdenken», erläutert Kurt Forster zum Prinzip der Permakultur. Der Ausdruck geht auf das englische «permanent agriculture» zurück und stammt von zwei Australiern, welche damit gegen Ende der 1970er Jahre einen zukunftsfähigen Denkansatz zum nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen begründet hatten. Bill Mollison und sein Schüler David Holmgren stellten drei Hauptforderungen auf, die für eine Permakultur, eine dauerhaft funktionierende Landbewirtschaftung, erfüllt sein müssten: der Erde und allen Lebewesen Sorge zu tragen, den Mitmenschen Sorge zu tragen, und dem Wachstum des Konsums Grenzen zu setzen, damit das biologische Gleichgewicht der Erde erhalten bleibt.

Wärme und Wasser optimal nutzen

Auf den Privatgarten angewendet bedeutet dies etwa, durch eine passende Geländegestaltung Wärmeenergie optimal zu nutzen. «Steine und Wasser können Wärme speichern, zum Beispiel im Gewächshaus», meint Kurt Forster. Dank einer Solaranlage kann er seinem Ziel, möglichst unabhängig von zugeführter Energie zu leben, recht nahekommen. Natürlich werden die Nord- und Südseite des Hauses passend genutzt – im Norden wächst isolierendes Efeu an der Fassade, an der Südfront profitieren wärmebedürftige Pflanzen vom leicht wärmeren Mikroklima.

Auf Kunstdünger und Pestizide wird in einem Permakulturgarten konsequent verzichtet. Lieber lässt Forster eine schwache Pflanze absterben, als dass er ein Pestizid anwenden würde, und pflanzt etwas Passenderes. Tomaten und Zitronen kommen mit Kräuterjauche und Kompost schon weitestgehend zurecht. Auch überschüssiger Schlamm aus dem Gartenteich, worin robuste, mit den gegebenen Platz- und Nährstoffbedingungen optimal zurechtkommende Karpfenfische leben, wird als Dünger für Landpflanzen eingesetzt. Entfernt werden muss dieser regelmässig, denn sonst würde der Teich bald verlanden. Das Gewässer dient zugleich als Reservoir für aufgefangenes Regenwasser, welches ebenfalls optimal genutzt wird.

Kiwis und Süsskartoffeln im Treibhaus, Tee- und Gewürzkräuter, Artischocken, Beeren und Gemüse, auch Salat kann Familie Forster reichlich zur Selbstversorgung ziehen, wobei sich die Erträge durch eine geschickte Bepflanzung das Jahr hindurch staffeln lassen. Aber auch die Biodiversität, die Vielfalt von Arten und Kleinlebensräumen, soll auf der bescheidenen Landfläche bestmöglich gefördert werden. Ein Teil des Gartens ist für die Besucher unzugängliches Dickicht und bietet unter anderem einer Igelfamilie Unterschlupf. Diese sorgt wohl dafür, dass Forsters kein Schneckenproblem im Garten haben. «Probleme verursachen am ehesten einige Vögel, die gerne Beeren verzehren». Verschiedene Kleinvögel wie der Zaunkönig nisten zur Freude der Bewohner im Efeu der Nordseite des Hauses.

Den sich wandelnden Bedürfnissen anpassen

Die Permakultur sei «kein Evangelium», stellt Forster klar. Er berichtet auch von unvorhergesehenen Nachteilen, die sich aus seiner Bewirtschaftung ergaben. So nahmen allzu viele Fliegen aus der Umgebung seinen schönen Wilden Wein in Beschlag, der früher über dem Sitzplatz wuchs. Vieles beruht auf konstantem Weiterlernen und Ausprobieren. Der gut dreissig Jahre alte Garten wird zudem den wandelnden Bedürfnissen der Hausbewohner angepasst, die im fortgeschrittenen Alter gern darauf verzichten, in grosser Höhe Kletterpflanzen oder Bäume zurückzuschneiden.

Kurt Forster zeigt sich fasziniert vom Permakulturgedanken und freut sich, wenn er sein Wissen zu Gunsten der kommenden Generationen weitergeben kann. Er hat auch zahlreiche Artikel und zwei Bücher zum Thema geschrieben.

Verein Permakultur Schweiz: www.permakultur.ch/

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