Informationsanlass Neophyten in Kirchberg – 2016

Invasive gebietsfremde Pflanzen sind eine Belastung für die Ökosysteme und müssen mit teils grossem Aufwand bekämpft werden. Anfang Juni luden der Naturschutzverein und die Gemeinde Kirchberg zu einem Informationsanlass rund um die Problematik der Neophyten.

«Jetzt geht’s los», stand einst auf einer Werbetafel bei Bräägg eingangs Bazenheid, und gleich oberhalb der Tafel wuchsen damals zwei stattliche Exemplare des Riesenbärenklaus. Bruno Schättin nimmt dieses Motto auf, um der versammelten Gemeinschaft von etwa 20 Teilnehmenden die Neophytenproblematik näherzubringen. Der Riesenbärenklau steht auf der Schwarzen Liste der invasiven gebietsfremden Pflanzen, welche Schäden verursachen und deren Ausbreitung von Gesetzes wegen verhindert werden muss. Die grosse Staude aus dem Kaukasus ist nicht nur in ökologischer Hinsicht problematisch. Sie gibt Gifstoffe ab, welche bei Berührung unter dem Einfluss des Sonnenlichts ernsthafte Hautverbrennungen auslösen, und stellt daher ein Gesundheitsrisiko dar.

Neben Bruno Schättin, der als Mitglied der ökokommission und bei der SBB-Böschungspflege mit Neophyten konfrontiert ist, berichten Werner und Ursula Blättler von Zyklus Gartenbau (Gähwil) aus ihrer praktischen Erfahrung in der Neophytenbekämpfung. Die beiden Gartenbaufachleute leiten dazu Einsätze vor allem entlang von Flussufern. Sie setzen Zivildienstleistende, Arbeitslose, Asylanten oder andere Mitarbeitende in Teams ein, wie Ursula Blättler erzählt. Dabei seien die Erfahrungen mit denjenigen Menschen, die auf eigenen Wunsch in den Arbeitseinsätzen mitmachen, durchwegs positiv.

Neue Pflanzenarten für Insekten wenig nutzbar

Die Anzahl fremdländischer Gewächse in Europa ist enorm. Bruno Schättin führt einige Zahlen auf: In die Schweiz wurden insgesamt über 10’000 Pflanzenarten eingeführt, in den botanischen Gärten Deutschlands versammeln sich rund 50’000 Pflanzenarten aus aller Welt. 17’000 davon sind im Verkauf durch Gartenbau und Aquarienhandel. Zum Vergleich: Die Flora Helvetica führt etwa 3’000 Pflanzenarten auf, welche hierzulande wild wachsen, wobei ein paar Hundert davon ebenfalls Neophyten sind.

Schättin erläutert auch die unschätzbare Bedeutung, welche die einheimische Flora durch ihre ökologischen Wechselwirkungen für die Artenvielfalt insgesamt mit sich bringt. Eine ältere einheimische Eiche etwa, so zeigte eine Studie, beherbergte mehr als 500 Insektenarten, eine Linde immer noch rund 200 Arten. Auf einem Gingko, der ursprünglich aus China stammt, fanden sich hingegen weniger als zehn Arten von Insekten. Der Sommerflieder, ein ausbreitungsfreudiger Neophyt, bietet wohl Schmetterlingen Nektar, doch gleichzeitig verdrängt er die Nahrungspflanzen ihrer Raupen.

Nur wenige der eingeführten Pflanzenarten neigen zum Wuchern oder gedeihen überhaupt ohne Kultivierungsmassnahmen. Als invasive Neophyten gelten Arten, die ein grosses Exansionsvermögen zeigen, sehr konkurrenzfähig und ausbreitungsfreudig sind und ökologische oder anderweitige Schäden anrichten. Momentan sind 41 als invasiv bekannte Neophyten auf der Schwarzen Liste der Organisation Info Flora. Einige von ihnen dürfen gemäss Freisetzungsverordnung nicht gehandelt, verkauft, gepflanzt oder ausgesät werden. Doch der Gartenbau-Branchenverband Jardin Suisse konnte bislang durchsetzen, dass Neophyten mit invasivem Potenzial wie Kirschlorbeer und Sommerflieder unter Einhaltung einer Informationspflicht weiterhin verkauft werden dürfen. Käufer werden angehalten, eine Ausbreitung zu verhindern und Blüten vor dem Versamen abzuschneiden.

Entsorgung über den Kehricht

In einem praktischen Teil zeigen die Referenten einige bedeutende Neophyten anhand lebender Pflanzen. Ursula Blättler stellt eine Staude des Riesenbärenklaus vor sowie den Japanknöterich, Drüsiges Springkraut und nordamerikanische Goldruten. Bruno Schättin hat Berufkräuter und das aus Südafrika stammende Schmalblättrige Greiskraut mitgebracht, welches sich in letzter Zeit entlang von Bahnlinien und Nationalstrassen enorm ausbreiten konnte und beispielsweise in Romanshorn fast das ganze Bahnhofareal mit seinen Blüten in Gelb kleidete. Es ist für Mensch und Tier giftig, seine Ausbreitung könnte Weidetiere gefährden. Wenn es nicht rechtzeitig eingedämmt würde, drohen wie bei anderen Neophyten massive Folgekosten, so Schättin, der auch Mitglied im Verband der Neobiota-Fachleute (Schweiz) ist. Das Einjährige und das Kanadische Berufkraut, beides Pionierpflanzen aus Nordamerika, kann die Gruppe während einer kurzen Exkursion anschliessend im Freiland sehen. Beim Weiher unterhalb des Zwizach hat sich ein Bestand dieser Pflanzen angesiedelt. Ein Kehrichtsack wird zur Veranschaulichung der korrekten Entsorgung gleich mitgeführt. Auf keinen Fall gehören gejätete Neophyten auf den Kompost, am sichersten ist die Kehrichtverbrennung. Blättlers erzählen von einem Fall, wo unsinnigerweise Goldruten gehäckselt wurden. Wären die Überreste der Pflanzen nicht mit dem Rechen eingesammelt worden, hätten diese bald erneut ausgeschlagen.

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